Schöne Bescherung – Weihnachten steht vor der Tür, und Kinder oder Enkel wünschen sich nichts sehnlicher als das coole Handy aus der Werbung. Doch so mancher Weihnachtsmann fragt sich besorgt: Kann ein Teenager oder gar Grundschüler überhaupt schon verantwortungsbewusst mit einem Mobiltelefon umgehen, oder ist mit diesem Geschenk womöglich der monatliche Streit um die Kosten programmiert?

Generation Handy
Jederzeit und überall mit den Freunden zu palavern ist für die Jugend von heute selbstverständlich. Über 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein Handy, selbst von den 6- bis 13-Jährigen telefoniert schon fast jeder Zweite mobil. Die Mehrheit nutzt das Handy beinahe täglich, um Textbotschaften, die sogenannten SMS, zu verschicken oder zu telefonieren. Mit Begeisterung laden sich Kinder und Jugendliche Klingeltöne, Handy-Spiele oder animierte Logos fürs Display herunter. An diesen Spielereien verdienen deren Anbieter und die Mobilfunker prächtig. Denn während die jungen Kunden technisch topfit sind, mangelt es oft am Kostenbewusstsein. So war es auch bei Familie Späth* in der Nähe von Kiel. Wiederholt knackte die monatliche Telefonrechnung die 100-Euro-Marke. „Drei telefonierende Teenager gehen manchmal ganz schön ins Geld“, sagt Christina Späth. Aber nicht nur der für Teenager typische ungehemmte Mitteilungsdrang per Telefon treibt die Kosten in die Höhe. „Immer wieder nutzen unseriöse Firmen die Unerfahrenheit von Kindern und Jugendlichen gezielt aus“, kritisiert Michael Bobrowski vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Wie bei der 13-jährigen Anna*: „Warum meldest du dich nicht mehr – hast du mich vergessen?“, wollte ein vermeintlicher Verehrer per SMS wissen. Anna „simste“ ein paar Tage lang zurück – und bekam dann eine Handy-Rechnung von über 100 Euro. Dass für jede ihrer Antwort- SMS 1,99 Euro von ihrem Mobilfunkkonto abgebucht wurden, war ihr nicht klar gewesen. Kein Einzelfall, erklärt Verbraucherschützer Bobrowski. Statt eines verliebten Altersgenossen sitzen bei vielen Handy-Flirts am anderen Ende der Leitung geschulte Mitarbeiter, welche die Teenies in teure Dialoge verwickeln. Gefahr droht auch von kostenpflichtigen 0900er-Nummern: nämlich wenn die jungen Kunden in Warteschleifen hingehalten werden, bis sie endlich den gewünschten Klingelton herunterladen können. Kostenpunkt zwei bis drei Euro pro Minute. Selbst wenn alles seriös zugeht: Vor allem jüngere Kinder sind mit kostenpflichtigen Handy-Diensten oft überfordert. „Mit dem Handy zu bezahlen ist für Kinder genauso abstrakt wie mit der Kreditkarte“, warnt der Hamburger Psychologe Michael Thiel. „Sie verlieren leicht den Überblick und geben mehr Geld aus, als sie dürfen oder haben.“

 

Manche Warteschlangen sind Kostenschleifen. Die Kinder warten und zahlen pro Minute drei Euro

 

Jederzeit erreichbar
Sollten Sie Ihren Kindern die Kostenfalle Handy also lieber verbieten? Sicher nicht, immerhin bedeutet ein Mobiltelefon auch Sicherheit. „Meine Tochter wartet morgens ganz alleine auf den Schulbus“, sagt zum Beispiel Jörg Mieze aus Dobersdorf in Schleswig-Holstein. Für den Notfall hat die 9-Jährige stets ihr Handy dabei. „Es ist ein gutes Gefühl, dass wir die Kinder jederzeit erreichen können und umgekehrt“, findet auch Christina Späth. „Die Möglichkeit, per Handy von überall Rat und Hilfe anzufordern, bewerten wir durchaus positiv“, bestätigt Kriminaloberrat Reinhold Hepp von der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart. Weil allerdings auf immer mehr Schüler- Handys Pornos und Gewaltvideos kursieren, rät die Polizei Eltern, den Kindern lieber ein möglichst einfaches Handy zu überlassen. „Um kurz zu Hause anzurufen, braucht der Nachwuchs kein großes Farbdisplay oder schnelle Datenübertragung“, verdeutlicht Reinhold Hepp.

Runter mit den Kosten
Ein simples Gerät spart zudem Kosten. Multimedia-Funktionen wie Fotos verschicken, fernsehen oder Musik hören wecken bei den Jugendlichen nur den Wunsch, entsprechende Angebote auch zu nutzen. Nicht ohne Hintergedanken gibt es die neusten Handy-Modelle beim Abschluss eines langfristigen Mobilfunkvertrags nahezu geschenkt. Den darf man aber erst mit 18 abschließen. Wer vorher für den Nachwuchs unterschreibt, muss auch für die womöglich hohen Rechnungen geradestehen. Vor teuren Überraschungen geschützt sind Sie dagegen mit einer sogenannten Prepaidkarte. Hier kann maximal das vorausbezahlte Guthaben verbraucht werden. Auch mit abtelefonierter Karte können die Kinder noch Anrufe empfangen und Notrufe (110, 112) abgeben.

 

Taschengeld ist für Extras - wie endlose Telefonate. Die sollen Ihre Kinder ruhig selbst bezahlen

 

„Damit Ihre Kinder ein Gefühl für die Kosten bekommen, lassen Sie sie die Karte selbst bar bezahlen, beispielsweise vom Taschengeld oder einem fest definierten monatlichen Telefon-Budget“, rät Michael Thiel. Generell empfiehlt der Psychologe, beim Thema Geld konsequent zu bleiben: „Ist das Monatsbudget schon nach zwei Wochen aufgebraucht, muss der Nachwuchs eben bis zum nächsten Zahltag warten.“ Nicht immer löst diese Regelung alle Probleme: „Wenn Riekes Prepaidkarte verbraucht ist, greift sie zum Familientelefon. Dass unser Pauschaltarif, auf den wir inzwischen umgestiegen sind, für Anrufe in Mobilnetze nicht gilt, vergisst sie dann regelmäßig“, stöhnt Christina Späth. Denn Anrufe vom Festnetz aufs Handy sind teuer. Treffen Sie deshalb klare Absprachen nicht nur für den Gebrauch des eigenen Handys, sondern auch für Mobilgespräche vom häuslichen Telefon aus. Ihre Kinder sollten lernen, Freunde nur für konkrete Verabredungen mobil anzurufen, sich kurz zu fassen und günstige Sparvorwahlen zu nutzen. Wenn Sie diese Weihnachten also ein Handy verschenken, denken Sie darüber nach, ob es wirklich das Wunschgerät des Nachwuchses mit allem technischen Schnickschnack und Vertrag sein muss oder ob es nicht auch ein einfacheres Modell mit einer Prepaidkarte von Handelsketten wie Aldi und Tchibo oder Mobilfunk-Discountern wie simyo oder blau.de sein kann. Und wenn der Nachwuchs meutert? Dann sind Sie als Vorbild gefragt: „Wer selbst jedes neue Technikspielzeug haben muss, darf sich nicht wundern, wenn die Kinder auch danach schreien“, erklärt Psychologe Thiel.

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1 Kommentare

Volkenborn on 26 Januar 2010 ,19:06

Danke, das zu sagen ist sehr wichtig

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