Gehören Sie zu den Menschen, die bei der morgendlichen Dusche eine extragroße Portion Waschgel verwenden? Darauf sollten Sie Ihrer Haut zuliebe verzichten, denn mit zu viel Reinigungsmittel entfernen Sie nicht nur Schmutz. Professorin Dr. Martina Kerscher, Dermatologin und Leiterin des Studiengangs Kosmetik an der Universität Hamburg, erklärt, was unserem größten Organ gut tut und was Sie bei der Körperpflege beachten sollten.

 



Reader’s Digest:
Frau Professor Kerscher, im Sommer schwitzen wir mehr und duschen deshalb häufiger. Ist das in Ordnung, oder kann es auch zu viel werden? 

Prof. Martina Kerscher: Grundsätzlich stresst jeder Wasserkontakt die Haut. Denn durch Wasser werden wertvolle Lipide, also Fette, aus der Haut gelöst, die für die schützende Barriere der Haut wichtig sind. Man kann sich das so vorstellen: Die Hautzellen sind wie Ziegelsteine, die Fette dazwischen sind der Mörtel, der die Zellen verbindet. Wenn dieser Kitt durch Wasser  weggespült wird, wird die Haut durchlässiger, empfindlicher und fängt an zu jucken. Dieser Effekt kann durch Reinigungsprodukte verstärkt werden. Duschgels sollte man also gezielt da einsetzen, wo man sich wirklich reinigungsbedürftig fühlt, etwa weil man stark geschwitzt hat. Für den restlichen Körper reicht Wasser.  

 

RD: Welche Reinigungsprodukte empfehlen Sie?

Kerscher: Unsere Haut hat einen leicht sauren pH-Wert, er liegt etwa bei 5 bis 5,5. Damit ein Duschgel die schützende Barriere der Haut nicht zu sehr angreift, sollte es den gleichen pH-Wert wie die Haut haben, also leicht sauer sein. Die klassische Seife kommt nicht infrage, sie liegt im alkalischen Bereich, löst also zu viele Fette aus der Haut und schädigt sie dadurch. Wenn man ein festes Waschstück bevorzugt, sollte man eines mit leicht saurem pH-Wert benutzen. Das ist auch beim Händewaschen sinnvoll: Gerade an den Handinnenflächen ist die Haut sehr strapaziert, weil sie viel Kontakt mit der Außenwelt und mit Wasser hat und weil hier zudem Talgdrüsen fehlen.

 

RD: Wie reinigt man das Gesicht?

Kerscher: Bei den meisten Erwachsenen ist die Haut nicht fettig und weist auch nur selten Unreinheiten auf. Dann ist es sinnvoll, sich morgens nur mit Wasser zu erfrischen. Wenn Frauen tagsüber dekorative Kosmetik, zum Beispiel Make-up, benutzen, sollten sie diese unbedingt am Abend mit speziellen Reinigungsprodukten entfernen. Menschen mit eher fettiger Haut sollten sie morgens und abends mit geeigneten Produkten reinigen, die auch überschüssigen Talg entfernen. Ansonsten genügt Wasser oder ein mildes Reinigungsprodukt. 

 

RD: Welche zusätzliche Pflege der Haut halten Sie für sinnvoll?

Kerscher: Für das Gesicht sollte man täglich eine Creme mit Sonnenschutz benutzen, mit mittlerem Lichtschutz zwischen 15 und 20. Denn die ganzjährige Abwehr der UV-Strahlung ist der wichtigste Schutz gegen Hautalterung. Was die Sonne an der Haut alles verändern kann wird deutlich, wenn man die Gesichtshaut etwa mit der Haut an der Oberarminnenseite vergleicht. Im Gesicht hat die Haut mehr Pigmente, Unregelmäßigkeiten und Falten. Das belegen auch Studien mit Fernfahrern: Durch die Sonnenexposition vor allem der linken Gesichtshälfte ist hier die Haut oft stark vorgealtert. 


RD: Viele Menschen haben Sorge, dass sich die Haut zu sehr an Creme gewöhnt, wenn man sie täglich einsetzt. Sind diese Bedenken berechtigt?

Kerscher: In Studien zeigt sich dieser Effekt nicht. Wer Bedenken hat, cremt die Haut nach Bedarf ein: Fühlt die Haut sich nach dem Duschen seidig und weich an, ist sie im Gleichgewicht, dann muss man nicht cremen. So benutzt man vielleicht nur jeden zweiten oder dritten Tag eine Creme. Sobald die Haut aber trocken wirkt, sollte man ihr eine Portion Pflege geben. 


RD: Man hört ja immer wieder, dass ältere Haut besondere Pflege braucht. Warum ist das so, und was bedeutet das ganz konkret?

Kerscher: Bei Frauen über 50 wird die Haut trockener. Das Feuchthaltevermögen wird geringer, die Fettzusammensetzung verändert sich, die Haut ist weniger elastisch und messbar dünner. Das hat mit dem Östrogenmangel zu tun, der nach den Wechseljahren besteht. Deshalb braucht die Haut dann feuchtigkeitsspendende Cremes, die zudem Lipide enthalten und die außerdem die Kollagenproduktion anregen. Es bieten sich zum Beispiel Cremes mit Vitamin A, Vitamin C oder Polypeptiden an. Jüngere Frauen und Männer brauchen leichtere Cremes, die Feuchtigkeit spenden und zum Beispiel mit Vitamin C oder Vitamin E die Haut vor Umwelteinflüssen schützen. 

 

RD: Jetzt im Sommer wollen wir auch unsere Füße zeigen und schön machen. Haben Sie dafür Tipps?

Kerscher: An den Füßen haben wir eine spezielle Situation: Schuhwerk und Belastungen durch kleine Fehlstellungen verursachen häufig Schwielen und Hornhaut. Und an den Fußsohlen neigt die Haut besonders zur Trockenheit. Es bietet sich für die Fußpflege also eine Creme an, die Feuchtigkeit speichernde Wirkstoffe wie Harnstoff oder Glycerin enthält. Am besten pflegt man die Füße das ganze Jahr über – und nicht nur vor dem Sommer. Für Hornhaut gilt: Nicht zu viel wegnehmen, sonst wird sie zu schnell nachproduziert. Und wenn sich hartnäckige Schwielen zeigen, sollte man in jedem Fall Fehlstellungen ausschließen lassen beziehungsweise durch Einlagen beheben.  

 

RD: Braucht man eigentlich eine Extrapflege für den Intimbereich, zum Beispiel eine Waschlotion?

Kerscher: Üblicherweise genügt Wasser. Wenn spezielle Reinigungsprodukte eingesetzt werden, dann so wenig wie möglich. Wasser allein kann ja auch schon eine ganze Menge. In unseren Studien zeigt sich immer wieder, dass es eine Tendenz gibt, von allem zu viel zu nehmen. Also: Setzen Sie die Reinigungs- und Pflegeprodukte ruhig sparsam ein. 

 

RD: Wirkt sich das Pflegen und Cremen auch positiv auf unsere Stimmung aus?

Kerscher: Ja, denn Haut und Seele hängen eng zusammen. Man sollte seine Hautcreme auch mögen – sonst wirkt sie nicht optimal. Das ist nicht nur Einbildung, sondern hat auch einen physiologischen Grund: Wenn man eine Creme gerne riecht und auf der Haut hat, kann das die Produktion von Glückshormonen wie Endorphin fördern. Das gibt uns ein gutes Gefühl – und macht sogar die Haut schöner.  

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1 Kommentare

Hildegard Maur on 15 Juli 2010 ,18:21

Das Kommentar über die Haut von Martina Kerscher fand ich sehr gut. Ich werde auf jeden Fall das benutzen, was sie da beschreibt, und ich werde es auch meiner Tochter sagen.

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